Das Lied vom Scheitern

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Aufbauspieler Philip Thomisch an der Freiwurflinie. Foto: Heinicke

Fassungslos waren Weimars Bezirksligabasketballer nach dem gestrigen Abpfiff – fassungslos über das Geschehene, fassungslos über eine turbulente letzte Spielminute, über die so richtig wohl niemand den Überblick hatte. 55:54 leuchtete das Ergebnis auf der Anzeigetafel in der Sporthalle der Gothaer Arnoldischule. Diskussionen mit den Unparteiischen waren genauso zu sehen wie Diskussionen unereinander. Warum waren die Schützlinge um Spielertrainer Philip Thomisch derart aufgebracht?

Nun, zum einen hatte man gerade eine eigentlich sichere Führung aus dem dritten Viertel heraus verspielt und schlussendlich mit nur einem Punkt verloren. Zum anderen war eine aus Weimarer Sicht katastrophale letzte Minute in die Hände der Gothaer Gastgeber gefallen. Etwa 50 Sekunden vor Schluss – die SG HSV-Victoria führte noch knapp – versuchte Point Guard Martin Schröder einen Schnellangriff nach eigenem Ballverlust zu stoppen. „Ein taktisches Foul, das ich auch machen wollte“, so der erfahrene Aufbauspieler. Aber die Referees zeigten das Foul als unsportlich an, was neben den Freiwürfen auch Ballbesitz für Gotha bedeutete. „Das kann ich bei der vorherigen Linie der Schiedrichter nicht nachvollziehen“, meinte Power Forward Goran Kosutic zerknirscht, „bei durchaus härteren Kontakten zuvor gab es gar keinen Pfiff.“ Pfiffe hin, Pfiffe her: Zwölf Weimarer hatten auch das zweite Auswärtsspiel der Rückrunde knapp verloren, und das wohl auch nicht erst in der letzten Spielminute.

Im ersten Viertel punkteten beide Mannschaften recht zuverlässig, mit 15:13 hatte Gotha die Nase knapp vorn. Anders sah es schon zur Halbzeit aus, da Weimar sich mit einem Punkt in Front gesetzt hatte (24:25). Die Hausherren konnten einige ihre Abschlüsse wirklich glücklich verbuchen, setzten aber auch ganz offene Würfe ab und an daneben. Weimar machte das Spiel über Aufbauspieler Philip Thomisch zusehens schneller, kam zu Punkten aus den Fastbreak und Überzahlspiel. Vor allem Shooting Guard Damir Agic profitierte davon, schoss sich zwischenzeitlich fast in einen Rausch – einfach alles schien zu fallen für ihn.

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Toll gepunktet aber dennoch verloren: Flügelspieler Damir Agic. Foto: Heinicke

Hätten sich nicht gleichzeitig immer wieder Löcher in der High-Post-Verteidigung aufgetan, so wäre die Spielweise der Gäste durchaus als solide zu bezeichnen gewesen. Diese und das im vierten Viertel einsetzende Wurfglück der Gothaer begünstigten dann allerdings die erfolgreiche Aufholjagd der Blau-Weißen. Die Kulturstädter hingegen verloren etwas den roten Faden in der eigenen Offensive: Schwierige Pässe und gedeckte Würfe zeugten zwar durchaus vom Willen die Verantwortung zu übernehmen, kosteten in der Folge aber die nötigen Punkte auf der Anzeigetafel.

Und so kam es zu der gefürchteten letzten Spielminute, in der die Gothaer in heimischer Halle alles richtig machten. Die entscheidenden Punkte fielen dann von der Freiwurflinie, während die Basketballer der SG HSV-KSSV die Uhr stoppen mussten. Noch einen Einwurf bei 2,6 Sekunden – ein letzter Strohhalm, an dem sich Weimar festklammerte. Vielleicht fällt ja der Wurf des freigespielten Felix Augustin, dann würde man jubeln, das schwache vierte Viertel schnell vergessen. Aber er fiel nicht. Kein Jubel, kein vergessenes viertes Viertel. „Uns fehlt noch die Reife, ein Spiel auswärts so abgezockt zu gewinnen, wie es sich viele heute vorgestellt hatten. Wir hätten lieber unsere Überlegenheit im Schnellangriff und auch in der Verteidigung zeitweise besser ausgespielt, dann kommt es gar nicht zu so einer letzten Spielminute“, schätze Spielertrainer Philip Thomisch ein. Auf ihn und sein Team kommen anstrengende Wochen zu, in der das Saisonziel (Top4) gesichert werden soll.

Scoring Weimar:  Augustin 13 (2 Dreier), Agic 13 (1 Dreier), Thomisch 8 (1 Dreier), Papp 6, Andresen 6, Gebauer 3, Kosutic 2, Schröder 2, Kleindienst 1, Kampmann, Sieweke, Suttner.

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