Den schlechten Vorzeichen entgegen

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Job erledigt! Die Weimarer um Spielertrainer Philip Thomisch (Mitte) holten in dezimierter Besetzung den wohl wichtigsten Auswärtssieg der Saison. Foto: Heinicke


Eisenach/MS – Das vorletzte Auswärtsspiel dieser Saison führte die Spielgemeinschaft HSV-KSSV nach Eisenach. Eine vermeintlich leichte Aufgabe, nachdem das Hinspiel in eigener Halle deutlich gewonnen wurde. Allerdings stand dieses Mal nur eine kleinere Kaderauswahl zur Verfügung, welches sich besonders unter dem Korb bemerkbar machen sollte. Mit Jasper Andresen und Goran Kosutic fehlten die gewohnten Starter auf den großen Positionen und damit auch deren sonstige Präsenz. Nun musste es also Weimars rumänischer Innenspieler Endre Papp sein, der an beiden Enden des Spielfeldes diese ausstrahlte. Auf den Flügelpositionen debütierten mit Nils Feldmann und David Fritz gleich zwei neue Spieler. Ein gutes Omen, denn erneut haben es zwei Studenten aus der Kulturstadt damit in den Kader geschafft.

Unter beengten Hallenverhältnissen sollte eine druckvolle Halbfeldpresse von Beginn an gleich für klare Verhältnisse sorgen, allerdings führte Dies nicht zum gewünschten Erfolg. Die Eisenacher sorgten für einen offenen Schlagabtausch und auf Weimarer Seite war es vor allem Philip Thomisch, der die Mannschaft in Schlagdistanz hielt. Gleich drei Dreipunkte-Würfe gelangen ihm im ersten Viertel. Im Gegensatz dazu waren leider die Wurfversuche aus der Nahdistanz in der Anfangsphase trotz ansprechender Spielzüge nur selten erfolgreich.

Beim Gegner war es das Duo – Martin Otto und Philipp Martin – auf der Flügel- und Centerposition, welches das Spiel gestaltete und besonders in Korbnähe für Gefahr sorgte. Saß Endre auf der Bank, gelang es zu diesem Zeitpunkt nicht, den gegnerischen Big Man zu stoppen. Daraus resultierte dann auch der Zehn-Punkte-Rückstand im zweiten Viertel. Der Schlüssel zum letztendlichen 64:62-Auswärtserfolg war die ab diesem Zeitpunkt großartige Mannschaftsleistung, welche vor allem in der Verteidigung die fehlende Größe mit unbändigem Einsatzwillen ausglich. Und so beantwortete Weimar den Lauf der Gastgeber sehr eindrucksvoll: Nach einem 13:0-Lauf unsererseits war das Spiel gedreht und es ging mit einem dünnen Punktepolster in die zweite Halbzeit. Leider war außer Philip,welcher am Ende auf 21 Punkte kam, an diesem Tag niemand mit besonders viel Wurfglück ausgestattet, sodass es in der Folgezeit immer spannend blieb. Allerdings blieb die Führung jederzeit in unseren Händen, da im rechten Moment doch immer erfolgreich abgeschlossen wurde.

Dieser Umstand blieb bis zum Ende der Spielzeit erhalten. Im Angriff gesellten sich einige erfolgreiche Einzelaktionen zum gelungenen Teamplay hinzu und in der Verteidigung versuchten die Fünf auf dem Feld mit vereinten Kräften einfache Punkte unter dem Korb zu

Erstes Spiel und gleich ein Sieg: Weimars Nils Feldmann (l.) und David Fritz (r.), die gleich ihren Teil zum Sieg beitragen konnten.
Erstes Spiel und gleich ein Sieg: Weimars Nils Feldmann (l.) und David Fritz (r.), die gleich ihren Teil zum Sieg beitragen konnten.

verhindern. Besonders Timmy Yang und Julian Kampmann machten das gemeinsam nun immer besser. Für den Extrakick an Energie sorgte wie gewohnt Leo (Leonard Suttner), sodass den Eisenachern langsam die Zeit davon lief. Diese versuchten nun am Ende des Spiels die Uhr mit schnellen Fouls zu stoppen und schickten wechselweise Damir Agic und Martin Schröder an die Linie. Leider zeigten diese mit einer Quote von 3/8 in dieser Phase durchaus Nerven. Entscheidend waren die letzten Sekunden des Spiels, in welchen das Momentum zuerst beim Gastgeber lag. Die Taktik konsequent zu foulen und auf vergebene Freiwürfe zu hoffen schien von Erfolg gekrönt zu sein, besonders als kurz vor Schluss ein erfolgreicher Dreipunktwurf von Philipp Martin das Spiel wieder komplett offen gestaltete.

Erneut wurde Damir an die Linie geschickt und blieb leider erfolglos, jedoch landete der vergebene Wurf in den Händen vom Teamkollegen Martin, welcher dann sofort gefoult wurde und anschließend den Endstand herstellte. Ein Fehler der Eisenacher, der das Spiel schlussendlich entscheiden sollte. Unterm Strich machte die herausragende Teamleistung den Unterschied an diesem Tag aus.

Statement Spielertrainer (Philip Thomisch, SG HSV-KSSV Weimar): „Ich bin sehr stolz auf die Jungs, die heute für ihr Team gekämpft haben. Die Vorzeichen standen nicht derart gut, da wir nur einen einzigen Spieler dabei hatten, der die klassische Centerposition spielen kann. Aber vor allem Timmy und Leo haben fehlende Zentimeter durch Einsatz und Willen ausgeglichen. Wir können uns bei ihnen bedanken. Positiv war auch, dass wir in der Offensive recht flexibel gespielt haben. Wir sind als Mannschaft in einem fortschreitenden Prozess, Basketball gemeinsam zu verstehen und deshalb erfolgreich zu sein. Toll, wenn dann Studenten wie David und Nils ihr erstes Spiel für uns machen und man den Eindruck hat, dass diese gleich in die Struktur hereinwachsen.“

Scoring Weimar: Thomisch 21 (4 Dreier, 3/4 FW), Papp 15, Agic 8, Suttner 6, Schröder 4, Yang 4, Fritz 2, Feldmann 2, Kampmann 2, Kleindienst.

Text: Martin Schröder

Big-Point verpasst – Saisonziel trotzdem im Blick

In einem Spiel mit Licht und Schatten verlor das Weimarer Bezirksligateam am vergangenen Sonntag sein Heimspiel gegen den Seamróg BC Nordhausen mit 53:79. Damit verflog auch gleichzeitig die Chance, einen ernsthaften Angriff auf Tabellenplatz drei zu starten und eben jenen Gegner einen Rang nach unten zu stoßen.

Viel Licht boten die Spieler der SG HSV-Victoria dabei in Halbzeit eins: Nach einem guten Start ins Spiel setzte man die körperlich größeren, aber auch langsameren, Gäste kurz vor der Halbzeit stark unter Druck. Der 27:27-Gleichstand zur Halbzeit schmeichelte schon eher den Nordhäusern. Viel Schatten von Weimarer Seite brachte dann aber die zweite und entscheidende Spielhälfte. Zu wenig Bewegung, zu wenig Mut, fehlende Lockerheit – so richtig kam vor allem die Offensive der Kulturstädter nicht mehr ins Laufen. „Ich glaube das tat allen zwölf Spielern richtig weh. Minuten zuvor hast du den Gegner nahezu im Griff, und dann fällt einfach absolut gar nichts“, so der Erklärungsversuch von Spielertrainer Philip Thomisch.

Eine gute Nachricht gab es jedoch dann am Abend aus Sicht der Bezirksliga-Basketballer doch noch zu vermelden: Konkurrent Gotha verlor sein Schlüsselspiel gegen Erfurt-Gispersleben am späten Nachmittag. Somit kann am kommenden Samstag (21.02. um 17 Uhr) gegen Eisenach ein wichtiger Schritt in Richtung des eigenen Saisonziels (Top 4) gemacht werden.

Scoring Weimar: Kosutic 12, Thomisch 1o (2 Dreier), Papp 9, Suttner 6, Gebauer 6, Schröder 4, Agic 3 (1 Dreier), Kampmann 2, Andresen 1, Hidalgo, Kleindienst, Zlotowski.

Das Lied vom Scheitern

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Aufbauspieler Philip Thomisch an der Freiwurflinie. Foto: Heinicke

Fassungslos waren Weimars Bezirksligabasketballer nach dem gestrigen Abpfiff – fassungslos über das Geschehene, fassungslos über eine turbulente letzte Spielminute, über die so richtig wohl niemand den Überblick hatte. 55:54 leuchtete das Ergebnis auf der Anzeigetafel in der Sporthalle der Gothaer Arnoldischule. Diskussionen mit den Unparteiischen waren genauso zu sehen wie Diskussionen unereinander. Warum waren die Schützlinge um Spielertrainer Philip Thomisch derart aufgebracht?

Nun, zum einen hatte man gerade eine eigentlich sichere Führung aus dem dritten Viertel heraus verspielt und schlussendlich mit nur einem Punkt verloren. Zum anderen war eine aus Weimarer Sicht katastrophale letzte Minute in die Hände der Gothaer Gastgeber gefallen. Etwa 50 Sekunden vor Schluss – die SG HSV-Victoria führte noch knapp – versuchte Point Guard Martin Schröder einen Schnellangriff nach eigenem Ballverlust zu stoppen. „Ein taktisches Foul, das ich auch machen wollte“, so der erfahrene Aufbauspieler. Aber die Referees zeigten das Foul als unsportlich an, was neben den Freiwürfen auch Ballbesitz für Gotha bedeutete. „Das kann ich bei der vorherigen Linie der Schiedrichter nicht nachvollziehen“, meinte Power Forward Goran Kosutic zerknirscht, „bei durchaus härteren Kontakten zuvor gab es gar keinen Pfiff.“ Pfiffe hin, Pfiffe her: Zwölf Weimarer hatten auch das zweite Auswärtsspiel der Rückrunde knapp verloren, und das wohl auch nicht erst in der letzten Spielminute.

Im ersten Viertel punkteten beide Mannschaften recht zuverlässig, mit 15:13 hatte Gotha die Nase knapp vorn. Anders sah es schon zur Halbzeit aus, da Weimar sich mit einem Punkt in Front gesetzt hatte (24:25). Die Hausherren konnten einige ihre Abschlüsse wirklich glücklich verbuchen, setzten aber auch ganz offene Würfe ab und an daneben. Weimar machte das Spiel über Aufbauspieler Philip Thomisch zusehens schneller, kam zu Punkten aus den Fastbreak und Überzahlspiel. Vor allem Shooting Guard Damir Agic profitierte davon, schoss sich zwischenzeitlich fast in einen Rausch – einfach alles schien zu fallen für ihn.

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Toll gepunktet aber dennoch verloren: Flügelspieler Damir Agic. Foto: Heinicke

Hätten sich nicht gleichzeitig immer wieder Löcher in der High-Post-Verteidigung aufgetan, so wäre die Spielweise der Gäste durchaus als solide zu bezeichnen gewesen. Diese und das im vierten Viertel einsetzende Wurfglück der Gothaer begünstigten dann allerdings die erfolgreiche Aufholjagd der Blau-Weißen. Die Kulturstädter hingegen verloren etwas den roten Faden in der eigenen Offensive: Schwierige Pässe und gedeckte Würfe zeugten zwar durchaus vom Willen die Verantwortung zu übernehmen, kosteten in der Folge aber die nötigen Punkte auf der Anzeigetafel.

Und so kam es zu der gefürchteten letzten Spielminute, in der die Gothaer in heimischer Halle alles richtig machten. Die entscheidenden Punkte fielen dann von der Freiwurflinie, während die Basketballer der SG HSV-KSSV die Uhr stoppen mussten. Noch einen Einwurf bei 2,6 Sekunden – ein letzter Strohhalm, an dem sich Weimar festklammerte. Vielleicht fällt ja der Wurf des freigespielten Felix Augustin, dann würde man jubeln, das schwache vierte Viertel schnell vergessen. Aber er fiel nicht. Kein Jubel, kein vergessenes viertes Viertel. „Uns fehlt noch die Reife, ein Spiel auswärts so abgezockt zu gewinnen, wie es sich viele heute vorgestellt hatten. Wir hätten lieber unsere Überlegenheit im Schnellangriff und auch in der Verteidigung zeitweise besser ausgespielt, dann kommt es gar nicht zu so einer letzten Spielminute“, schätze Spielertrainer Philip Thomisch ein. Auf ihn und sein Team kommen anstrengende Wochen zu, in der das Saisonziel (Top4) gesichert werden soll.

Scoring Weimar:  Augustin 13 (2 Dreier), Agic 13 (1 Dreier), Thomisch 8 (1 Dreier), Papp 6, Andresen 6, Gebauer 3, Kosutic 2, Schröder 2, Kleindienst 1, Kampmann, Sieweke, Suttner.

Solider Sieg sichert Anschluss nach oben

An diesem Tag alles unter Kontrolle: Weimars Zonenverteidigung.
An diesem Tag alles unter Kontrolle: Weimars Zonenverteidigung. Foto: Heinicke

Am vergangenen Samstag trafen die Weimarer Bezirksligisten im Rückspiel auf die Mannschaft des Eichsfelder BC. Auch wenn die enttäuschende Niederlage in Erfurt einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen hatte, starteten die Weimarer als Favorit in die Partie und konnten einen soliden Sieg herausspielen. Der Endstand von 69:37 war wichtig, vor allem um neues Selbstvertrauen aufzubauen.

Weimar startete mit der üblichen Zonenverteidigung in ein gutes erstes Viertel. Jedoch wurden sie oft mit langen

Beim Kampf um die Bretter diesmal nicht zu kontrollieren: Power Forward Endre Aladar Papp.
Beim Kampf um die Bretter diesmal nicht zu kontrollieren: Power Forward Endre Aladar Papp. Foto: Heinicke

Pässen überspielt und so konnte sich die Gäste auch einfache Punkte sichern. Ein Problem, welches auch später nicht zu 100 Prozent unterbunden werden konnte. Dennoch dominierte die SG HSV-Victoria von Beginn an das Spiel, auch wenn die Offensive eher wechselhaft punktete. „Wir hätten unsere Fastbreaks noch hochprozentiger abschließen müssen. Da fehlte uns noch etwas und wir haben zu viel liegen lassen“, so beschrieb der schnelle Flügelspieler Roman Kleindienst das noch ungenutzte Potenzial. Abgesehen von der Fastbreakverteidigung spielte Weimar dennoch diszipliniert unter dem eigenen Korb und konnte das erste Viertel mit einem kleinen Punktevorsprung beenden.

Während des zweiten Viertels fanden die Weimarer deutlich besser in das Spiel und traten organisierter auf. Somit konnte bis zur Halbzeit ein Vorsprung von 15 Punkten erreicht werden. Lediglich der Heiligenstädter Andrè Posnien strahlte mit seiner Treffsicherheit von jenseits der Drei-Punkte-Linie Gefahr aus und Gäste-Flügelspieler Marco Senge gelang es weiterhin durch seine Schnelligkeit einige einfache Punkte zu erzielen.

In den Vierteln zwei, drei und vier gelang es den weit gereisten Eichsfeldern dann aber nicht jeweils mehr als zehn Punkte zu erzielen, während Weimar seinen Vorsprung bedächtig auf 32 Zähler zur Schlussirene ausbauen konnte. Besonders auffällig war diesmal die starke Unterstützung von der Bank. Lennart Sieweke, der mit einem Sprung in den Kampfrichtertisch den Ballbesitz für das eigene Team sicherte und auch sonst beachtlichen Kampfgeist bewies, hielt die Intensität des Spiels auf hohem Niveau. Auch Forward Ting-Yi Yang und Innenspieler Endre Aladar Papp konnten sich beweisen und durch dominantes Auftreten unter dem gegnerischen Korb den Sieg vollenden.

Die Kulturstädter spielten die Partie zwar solide zu Ende, jedoch war noch Luft nach oben zu erkennen. „Mit etwas mehr Ruhe in der Offense wäre noch ein höherer Sieg möglich gewesen. Wir haben ausreichend gepunktet aber nicht immer so, wie es taktisch hätte sein sollen“, gab Top-Scorer Goran Kosutic zu verstehen. Der Freude über den ersten Sieg im Jahr 2015 tat dies keinen Abriss: “ Für mich ist ein Sieg ein Sieg“, freute sich Weimars Leonard Suttner, „wir haben kämpferisch und eben vor allem in der Defense dominiert. Wenn man mit über 30 Punkten gewinnt, kann man sich freuen. Die Fehleranalyse machen wir im Training.“ Ein konzentrierteres und konstanteres Auftreten könnte gegen die kommenden Gegner damit zum Erfolgsrezept werden.

Stimme Spielertrainer (Philip Thomisch, SG HSV-KSSV Weimar): „Es war ein ganz wichtiger Sieg mit Blick auf die Tabelle. Ich freue mich darüber, wie stark vor allem Endre gereboundet hat und mit Timmy für Wirbel unter den Brettern gesorgt hat. Kritisch müssen wir das eigene Entscheidungsverhalten sehen: Entweder müssen wir Lücken besser erkennen und attackieren oder disziplinierter die Systeme umsetzen. Wenn wir das hinbekommen, ist noch viel mehr drin.“

Statistik Weimar: Kosutic 16 (2/3 FW), Thomisch 10, Papp 10, Yang 8 (2/2 FW), Agic 8, Kleindienst 6 (2/3 FW), Suttner 4 (2/2 FW), Augustin 3 (1 Dreier), Sieweke 3 (1 Dreier), Gebauer 1, Hidalgo, Kampmann.

Fehlendes Wurfglück besiegelt knappe Niederlage

Eigentlich hatten die Vorzeichen gut gestanden. Eigentlich. Das Bezirksligateam der SG HSV-KSSV Weimar war am späten Sonntagnachmittag mit 12 Spielern und einigen Ambitionen nach Erfurt gereist. Dort wartete mit Motor Gispersleben ein Rivale, der zur Zeit in der unteren Tabellenhälfte angesiedelt ist. Weimar hatte also die Favoritenrolle, doch es kam alles ganz anders: Mit 50:56 mussten die Mannen um Spielertrainer Philip Thomisch letztendlich mit gesenkten Köpfen die Heimreise antreten. Auch die stillsten Träume von den Spitzenplätzen in der Weststaffel dürften damit erst einmal ganz weit nach hinten rücken.

In Sachen kämpferischer Leistung vorbildlich: Weimars Forward Leonard Suttner.
In Sachen kämpferischer Leistung vorbildlich: Weimars Forward Leonard Suttner. Foto:Heinicke

Zunächst sicherten sich die Weimarer den besseren Start in der Erfurter Sporthalle Muldenweg. Mit einem 8:0-Lauf brachten sich die Gäste in eine wahrlich gute Ausgangsposition. Sowohl die Guards als auch die Innenspieler der SG HSV-KSSV sorgten für leichte Punkte.

Das sollte sich jedoch ändern. Nachdem das erste Viertel mit 20:14 in der Hand der Weimarer Basketballer blieb, drehten die Hausherren im zweiten Spielabschnitt ausichtsreich auf. Und ein spielentscheidendes Problem zeigte sich aus Sicht der SG HSV-Victoria schon dann: Gispersleben traf seine Würfe von außen – Weimar nicht. „Nennen wir es Wurfglück“, so Spielertrainer Philip Thomisch, „aber so etwas kommt im Basketball selbst in den höchsten Ligen vor. Man kann nicht viel tun, wenn man sich gute Würfe herausspielt und sie dann nicht trifft.“

Was sein Team aber durchaus hätte vermeiden können waren eine Reihe an Ballverlusten im zweiten und dritten Viertel. Nicht zuletzt diese führten dazu, dass die Erfurter den 26:24-Halbzeitstand zum Ende des dritten Viertels ausgleichen konnten (38:38). In der näheren Vergangenheit hatte sich Weimars Bezirksligateam immer wieder in knappen Spielen bewährt und diese für sich entschieden – diesmal kam es jedoch anders. „Ich weiß nicht, warum wir manche Entscheidungen auf dem Feld so getroffen haben“, meinte Power Forward Goran Kosutic zerknirscht, „in den Auszeiten haben wir vieles anders besprochen.“ So fanden die Gäste weder in den eigenen Schnellangriff, noch lief der Ball ausreichend gut um Gispersleben vor Probleme zu stellen. Einizig und allein der aufopferungsvolle Kampf in der Defense blieb den Spielern der SG HSV-KSSV. Hier tat sich Leonard Suttner als kämpferischster Spieler besonders hervor.

Was jedoch dann in den entscheidenden Minuten des vierten Viertels passierte, wird wohl noch einige Tage für Frust und Ratlosigkeit auf Seiten der Basketballer um Spielertrainer Philip Thomisch sorgen: Einem Drei-Punkte-Rückstand hinterherlaufend stoppten mehrere Weimarer Gisperslebens Christian Macheleid beim Wurf. Ein Pfiff des Unparteiischen ertönte. Dieser versetzte die Bank der Gäste derart in Rage, dass der Schiedsrichter folgerichtig ein technisches Foul gab. Die Folge: drei Freiwürfe für Gispersleben. Zwar saß nur einer davon, der Punkt aber genügte um Weimar zum Stop-the-clock-Spiel zu verdammen. Allerdings verpuffte die anschließende Ganzfeldpresse schließlich im Jubel der Gisperslebener.

Stimme Spielertrainer, Philip Thomisch (SG HSV-KSSV Weimar): „Nüchtern analysiert war es die eigene Wurfquote, die heute das Spiel knapp gemacht hat. Hinzu kamen einige Unkonzentriertheiten im Set-Play. Sechs Punkte durch ein paar Würfe von außen zu kompensieren, ist für die Mannschaft im bisherigen Saisonverlauf eigentlich kein Problem gewesen. Heute war es ein Problem und daran lässt sich nichts ändern. Ändern müssen wir, was im vierten Viertel passiert ist.“

Scoring Weimar: Kosutic 13, Augustin 11 (2 Dreier), Thomisch 8 (2/3 FW), Andresen 5, Schröder 5, Gebauer 3, Agic 2, Kampmann 2, Kleindienst 1, Hidalgo, Sieweke, Suttner.

Ein Team im Soll

Als am sechsten Dezember der Abpfiff im Bezirksliga-Top-Spiel zwischen Weimar und Mühlhausen ertönte, fiel den Spielern sichtbar eine große Last von den Schultern. Unter die ersten Vier kommen, lautet das Saison- und somit auch Hinrundenziel der Mannschaft um Spielertrainer Philip Thomisch. „Eine der besseren Mannschaften wollten wir schon schlagen“, gab Defensiv-Spezialist Leonard Suttner erleichtert zu Protokoll. Es war gelungen. Mit einer Bilanz von fünf Siegen und zwei Niederlagen verabschiedeten sich die Kulturstädter in die Winterpause des Punktspielbetriebs.

Dabei verlief die Hinrunde, wenn man genau hinsah, eigentlich nicht nach dem Geschmack des jungen Teams. Gegen Gispersleben, Heiligenstadt, Gotha V und Lok Eisenach konnte zunächst gewonnen werden. Mit einer weißen Weste aus den ersten vier Begegnungen griff Weimar ganz oben mit ein. Das große Aber: „Gegen Gispersleben, Heiligenstadt und Eisenach haben wir phasenweise einfach zu sehr gewackelt. Das habe ich mir nach unserer aufwändigen Saisonvorbereitung anders vorgestellt“, so Philip Thomisch nachdenklich.

Prompt folgte eine Niederlage beim Seamróg BC in Nordhausen, wo eine grippegeschwächte Weimarer Vertretung den Kampf suchte, den Sieg aber nicht fand. Gegen die BSG Einheit Sömmerda ging man eine Woche später sang- und klanglos unter. Als passende Antwort kann der siebte Spieltag gewertet werden, an dem die SG HSV-Victoria eben jenen BBC Mühlhausen mit 48:43 nach Hause schickte. Aus dem offensiven Feuerwerk des punktstärksten Teams der Weststaffel wurde ein ganz kleines Licht. Ein guter Tag für Weimar.

Schaut man auf den verjüngten Kader des Teams, so lassen sich zudem Antworten auf den Verlauf der Hinrunde finden: Mit dem Flügelspieler Felix Augustin (zuletzt BG Litzendorf/Bayern) und Forward Henry Zlotowski (zuletzt BSC Midnightfun Jena) konnten zwei potenzielle Leistungsträger als Neuzugänge verzeichnet werden. Durch die Bauhaus-Universität fanden auch die beiden Innenspieler Jasper Andresen (zuletzt Eimsbüttler Sportverein/Hamburg) und Endre Aladar Papp (zuletzt Hochschulmannschaft in Rumanien) sowie das 19jährige chinesische Talent Ting-Yi Yang den Weg in die Trainingshalle.

Dem Kader die nötige Routine und Stabilität geben nun nicht mehr nur die bekannten Gesichter von Martin Schröder (Aufbau), Jan Schreiber und Goran Kosutic (beide Center), sondern eben auch die studentischen Spieler aus der Vorsaison: Leonard Suttner, Damir Agic und Tillmann Gebauer zählen mittlerweile zu den Stammkräften beim Bezirksligateam der SG HSV-KSSV. „Auf vielen Positionen sind wir sehr ausgeglichen besetzt“, stellt Guard Roman Kleindienst fest, der über die letzten Jahre schon viele Besetzungen seines Teams erlebt hat, „die Leistungsunterschiede untereinander werden immer kleiner“. Im Falle des Serben Damir Agic schlummert wohl noch eine ganze Stange Potenzial für das Team: Der 1,81 Meter große Flügelspieler verpasste fast die komplette Hinrunde wegen eines schlimmen Bänderisses. Zuvor hatte der 31jährige eine vielversprechende Saisonvorbereitung absolviert – Testgegner Saalfeld nahezu im Alleingang aus der Halle gefegt. Nach sechs Spielen Pause kehrte Agic erstmals aufs Feld zurück und warf die entscheidenden Zähler gegen Mühlhausen im Alleingang. „Gut, dass er zurück ist“, so Thomisch, „seit er bei uns ist, ist er ein wichtiger Baustein dieses Teams. Er stellt sich wie kaum ein anderer in den Dienst seiner Teamkollegen.“

Und genau das könnte noch zur großen Stärke der jungen Basketballmannschaft werden. „Wir stehen sehr nah zusammen als eine wirkliche Einheit. Wir können nicht ohne Emotion“, weiß der Spielertrainer, „die fünf auf dem Feld werden durchgehend durch die Bank zu bester Leistung gepusht. Manche denken sicher, wir sind verrückt – aber ich liebe diese Mannschaft und wie wichtig ihr der Sport und das Miteinander ist.“

Rein statistisch gesehen hat Weimar ebenfalls an Möglichkeiten gewonnen: Während das Guard-Duo Felix Augustin und Philip Thomisch in der Hinrunde extrem sicher von der Dreierlinie punktete, zählt auch Innenspieler Goran Kosutic weiterhin zu den Top-Scorern der Liga. Ansonsten verlässt sich die Mannschaft auf einen ambitionierten Schnellangriff, aus dem alle Spieler punkten können sowie eine aggressive Team-Defense. Alles was man braucht, um ganz oben dabei zu sein? „Nicht ganz“, meint der Spielertrainer, „gemeinsame Erfahrung kann man nicht so schnell gewinnen, deswegen ist zum Beispiel Sömmerda für uns noch eine Nummer zu groß. Alles was wir nicht haben, versuchen wir durch Kampf und Herz wett zu machen. Aber wir müssen uns noch finden, um kontinuierlicher zu spielen.“

Was kann man also von der Rückrunde erwarten? „Wir wollen ganz sicher nicht weniger Spiele gewinnen als in der Hinrunde“, lächelt der Trainer.